Wie entsteht Schnarchen?

Univ. Prof. Dr. Andreas Temmel informiert:

Das Schnarchgeräusch entsteht durch Vibration der zeitweilig erschlafften Muskulatur der oberen Atemwege – insbesondere durch Vibration des Gaumensegels (weicher Gaumen) – im Luftstrom. Dabei  ist das Zusammentreffen mehrerer Faktoren notwendig, damit es zum Schnarchen kommt. So begünstigt eine verlegte Nasenatmung – wie etwa bei Schnupfen, Allergien, Nasennebenhöhlen-Entzündungen, Nasenscheidewandverkrümmungen, vergrößerten Gaumen- und Rachenmandeln (häufiger bei Kindern) oft der Fall – den geräuschvollen Schlaf. Die vermehrte Fettablagerung im Rachen- und Zungenbereich bei Übergewichtigen bewirkt ebenfalls eine Verengung der Atemwege. Verstärkt werden diese Faktoren noch zusätzlich durch den Schlaf in Rückenlage, da es hierbei zu einem Nach-hinten-Sinken des Zungengrundes kommt. Im Schlaf lässt die Spannkraft der gesamten Muskulatur nach. Somit erschlafft auch die Muskulatur der oberen Luftwege, wodurch das Vibrieren des weichen Gaumens (Gaumensegel und Zäpfchen) als Auslöser des charakteristischen Geräusches erst ermöglicht wird.

Vermehrter Alkoholgenuss bzw. die Einnahme von Schlafmitteln potenzieren diesen Effekt noch. Weitere mögliche Gründe sind Okklusionsprobleme im Kieferbereich (dabei handelt es sich um ein Missverhältnis zwischen Ober- und Unterkiefer), eine deutlich vergrößerte Zunge oder andere anatomische Veränderungen, die den Luftstrom behindern.

Eine besonders kritische Situation entsteht dann, wenn im Schlaf die erschlaffte Zungenmuskulatur nach hinten sinkt und zusammen mit dem Gaumensegel den Rachenraum verschließt. Es kommt nun zu einem gefährlichen Atemstillstand (obstruktive Schlafapnoe), welcher die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn einschränkt. Die Atempause wird im Gehirn des Schlafenden registriert und durch eine Weckreaktion (Arousal) überwunden. Die Arousalreaktion ist lebenswichtig und bewahrt vor dem Ersticken. Durch die Arousalreaktion wird aber der Schlaf selbst gestört, da ein Übergang von einem tiefen Schlafstadium in einen nur oberflächlichen Schlaf stattfindet. Die Weckreaktionen sind allerdings so kurz und unvollständig, dass sich die Betroffenen am nächsten Morgen nicht daran erinnern können. Bei obstruktiver Schlafapnoe kommt es zu Atemstillständen, die 10 Sekunden und länger andauern und sich in einer einzigen Nacht hundertfach wiederholen können. Da bei jedem Atemstillstand der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt, muss das Herz verstärkt arbeiten, um den Sauerstoffbedarf im Körper zu decken. Dadurch steigt der Blutdruck, der manchmal auch nach Wiedereinsetzen der Atmung auf hohem Niveau verbleibt. Bei etwa 60% der Patienten mit Schlafapnoe findet sich gleichzeitig eine Bluthochdruckkrankheit. In manchen Fällen kommt es auch zu Herzrhythmusstörungen. Es wird vermutet, dass der plötzlich im Schlaf eintretende Tod von Menschen bei scheinbar gutem Gesundheitszustand vielfach auf schlafbezogene Herzrhythmusstörungen zurückzuführen ist.

Im Gegensatz zur obstruktiven Schlafapnoe bleiben bei der seltener vorkommenden  zentralen Schlafapnoe die Atemwege zwar geöffnet, aber die Muskeln in Brust und Zwerchfell sind nicht aktiv. Infolge des fehlenden Atemantriebes fällt der Sauerstoffgehalt im Blut – für das Gehirn ein Signal, den Schlafenden zu wecken, um die Atmung wieder aufzunehmen.

Bei Patienten mit Schlafapnoe ist die Schlafqualität gestört. Das hat Auswirkungen auf die Befindlichkeit des Patienten am Tage. Ein Patient mit Schlafapnoe kann insbesondere in monotonen Situationen (Fernsehen, Fahren auf der Autobahn, als Beifahrer im Auto, im Theater etc.) eine Müdigkeit bis hin zur Einschlafneigung verspüren. Nach heutigem Wissensstand muss eine Gefährdung der Verkehrssicherheit durch schlafbezogene Erkrankungen als gesichert angesehen werden.

Weitere Symptome der Schlafapnoe sind: verminderte Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Schwindelattacken, Persönlichkeits-veränderungen, sexuelle Funktionsstörungen (Impotenz), nächtliches Schwitzen, nächtlicher Harndrang (Bettnässen bei Kindern).

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